HISTORISCHE MUSTER

In dieser Kategorie befinden sich eine Reihe von mir gewobener Bänder deren Muster und Strukturen auf Basis historischer Vorlagen entstanden sind. Ich stelle hier nicht den Anspruch von echten 1:1 Repliken, sondern die Gewebe sind persönliche Interpretationen die nicht zwingend zu 100 % mit der Vorlage übereinstimmen. Bei vielen dieser Bänder sind ohnehin die Originalmaterialien und/oder deren Einfärbungen, als auch die ursprüngliche Verwendung nicht immer bekannt, daher wurden von mir für das Nacharbeiten Materialien nach meinem persönlichen Geschmack verwendet.  Die Muster stammen teils aus archäologischen Grabungen beginnend mit der Bronzezeit/Eisenzeit und reichen bis zu den orientalischen Bändern des 19./20. Jhdts. aus Museen und Privatsammlungen. Sofern nicht anders angegeben, wurden die Webebriefe zu den Bändern anhand der Literatur von mir erstellt.


# Hochdorf, Muster wahrscheinlich vom Wandbehang ca. 500 v. Chr.


Struktur: ausgelassener Einzug mit zwei nicht bezogenen Löchern
Material: Baumwollgarn
Brettchen: 40 Stk.

Dieses Band habe ich bereits 2005 das erste Mal gewebt. 2014 habe ich dann eine zweite Variante gewebt:

Struktur: ausgelassener Einzug mit 2 nicht bezogenen Löchern
Material: Baumwolle
Brettchen: 66 Stk.


# Hochdorf, ca. 500 v. Chr.


Dieses Band ist eine Variation von Mustern aus dem eisenzeitlichen Hügelgrab von Hochdorf wie sie im Buch „Bunte Tuche und gleißendes Metall“ gezeigt werden. Der Rand besteht aus einem dreifarbigen Diagonalstrukturmuster (Köper), wogegen der Mittelteil in einer Kombination von dreifarbiger Diagonalstruktur/ausgelassenem Einzug gewebt wurde.

Struktur: Diagonalstrukturmuster/ausgelassener Einzug mit einem nicht bezogenen Loch
Material: Baumwolle
Brettchen: 56 Stk.


# Hallstatt Borte III, Fund aus dem Kernverwässerungswerk, ca. 500 v. Chr.


Gemäß der Erstpublikation von Fr. Dr. Grömer wurde das Band mit vier Fäden pro Brettchen rekonstruiert:

Struktur: Schnurbindungsmuster
Material: Wolle
Brettchen: 16 Stk.

2013 habe ich eine neue Version dieses Musters mit nur mehr zwei Fäden pro Brettchen gewebt:

Struktur: ausgelassener Einzug mit zwei nicht bezogenen Löchern
Material: pflanzengefärbte Wolle
Brettchen: 16 Stk.


# Hallstatt Borte II, Fund aus dem Kernverwässerungswerk, ca. 500 v. Chr.


Struktur: Diagonalstrukturmuster (Köper)
Material: pflanzengefärbte Wolle
Brettchen: 13 Stk.

altes Muster in neuem Gewand schwarze Seide trifft Kupfer-Metallicgarn:

 


# Hallstatt Borte I, Fund aus dem Kernverwässerungswerk, ca. 500 v. Chr.


Struktur: Diagonalstrukturmuster (Köper)
Material: pflanzengefärbte Wolle
Brettchen: 19 Stk.


# Bänder aus dem Vaalermoor, ev. 200 – 400 n. Chr.??


Diese Bandfragmente sind Moorfunde deren Datierung nicht eindeutig ist. Die unterste Borte ist streckenweise ohne Schussfaden verarbeitet worden, aber die Brettchen sind offensichtlich weiter gedreht worden. Die Verzwirnung ergibt die wahrscheinlich erste elastische Borte der Welt!

Struktur: einfache Schnurbindungsmuster/ausgelassener Einzug, nach einer Vorlage von Silvia Ungerechts www.aisling.biz, Danke!
Material: Baumwolle
Brettchen: 24 – 38 Stk.


# „Anglo saxon“ Band nach einem Fragment, ca. 500 – 600 n. Chr.


Dieses Band basiert auf einer Struktur die bei einem Bandfragment aus England entdeckt und von Grace Crowfoot beschrieben wurde. Bisher sind insgesamt nur zwei Fragmente in dieser Struktur gefunden worden, bei denen eines zeitlich aber viel später zugeordnet wird. Spannend ist die Art wie dieses Band offensichtlich hergestellt wurde, da in jeder Reihe die Hälfte der Brettchen nicht gedreht werden. Eckehard Gartz hat mit seinem Programm GTT einige Variationen dieses Bandes publiziert. Dieses Band ist eines davon, Danke!

Struktur: Einzugsmuster mit Flottierung
Material: Leinen
Brettchen: 31 Stk.


# Bänder aus Snartemo Norwegen, ca. 600 n. Chr.


In Snartemo wurden in Gräbern Bandfragmente in einer Vierfarbtechnik mit flottierenden Kettfäden gefunden.

Struktur: Flottierungsmuster, nach einer Vorlage von Guido Gelhaar www.steinmaus.de, Danke!
Material: Baumwolle
Brettchen: 20 Stk.

Struktur: Flottierungsmuster, nach einer Vorlage von Babette Oberholz, Danke!
Material: Baumwolle
Brettchen: 28 Stk.


# Ärmelborte aus dem Grab der Hl. Bertille, ca. 800 n. Chr.


Struktur: ausgelassener Einzug mit 2 nicht bezogenen Löchern
Material: Leinen
Brettchen: 24 Stk.


# Band aus dem Osebergschiff, ca. 835 n. Chr.


Dieses Band wurde aus einem der berühmten Wikingerschiffsgräber geborgen. Original weist es nur eine der drei von mir gewobenen Musterreihen auf.

Struktur: Schnurbindungsmuster
Material: Baumwolle
Brettchen: 30 Stk.

Und noch eine weitere Variante, diesmal aus Leinen:


# Band nach einer broschierten Mustervorlage aus Birka, Schweden ca. 800/900 n.Chr.


Dieses Band wurde von Geijer Agnes 1938 in „Die Textilfunde aus den Gräbern von Birka, Vol III“ publiziert. Eine Zeichnung dazu findet man hier. Da Broschuren meine Leidenschaft nicht sind, wollte ich das Band ursprünglich als 2-Loch Muster realisieren. Letztlich verwendete ich zwar die 2-Loch Grundstruktur aber mit 4 Fäden.

Struktur: 2-Lochmuster mit 4 Fäden
Material: Realseide
Brettchen: 42 Stk.


# Teilmuster aus dem Manipel von St. Ulrich, ca. 1000 n.Chr.


Im Mittelalter wurden für liturgische Zwecke viele Bänder benötigt, eines davon waren der Manipel der am linken Arm getragen wurde. Viele dieser Bänder wurden mit Brettchen gewoben und zusätzlich aufwändig broschiert oder bestickt. –> zum Original

Struktur: Diagonalmuster mit Hell/Dunkel Effekt
Material: Baumwolle
Brettchen: 54 Stk.


# Band aus Syrien, 19./20. Jhdt.


Dieses Band ist ein zeitgenössiches Band aus Syrien, der Webebrief stammt aus dem Buch von Candace Crockett.

Struktur: Schnurbindungsmuster
Material: Baumwolle
Brettchen: 46 Stk.


# Bänder aus Telemark, 19./20. Jhdt.


Die heute in ganz Europe vorhandenen „Trachten“ entstanden in der Romantik des 19. Jhdt. als Ausdruck eines neu entstandenen Nationalbewussteins. Diese Bänder gehören auch heute noch zur Damen und Herrentracht aus Telemark, Norwegen. Als Gürtel getragen muss er mindestens 10 cm breit sein und besteht aus Wolle. Dazu gibt es auch schmälere Bänder mit ähnlichen Mustern die als Haarbänder verwendet werden.

Gürtel:

Struktur: Schnurbindungsmuster
Material: Wolle
Brettchen: 58 Stk.

Haarband:

Struktur: Schnurbindungsmuster
Material: Leinen
Brettchen: 22 Stk.


# Bänder aus Tibet, 19./20.Jhdt. ?


Diese Bänder werden in Tibet noch heute gewoben und weisen typische Farbkombinationen und geometrische Muster auf. Dr. Tomoko Torimaru hat über mit Brettchen gewobene Textilien aus China und den umliegenden Ländern intensive Studien betrieben und darüber publiziert. Es wird angenommen, dass mit Brettchen zu weben bereits seit mindestens 1300 v. Chr. in China bekannt war.



Struktur: doppelseitiges Weben
Material: Baumwolle
Brettchen: 24 – 28 Stk.


# Bänder aus Indonesien 19./20. Jhdt. ?


Von der Insel Sulawesi stammen Bänder mit typischen Motiven, meist geometrische Muster, in der Struktur des doppelseitigen Webens von den Mamasa Toraja. Das Paradebeispiel ist die berühmte Betelnusstasche aus dem Tropenmuseum in Amsterdam. Hier nun meine kleinere Version davon:

Struktur: doppelseitiges Weben
Material: Baumwolle
Brettchen: 20 Stk.

 

Eine andere Struktur die die Sa’dan Toraja weben, entspricht einem Zweiloch Muster, wobei die dort fehlenden Kettfäden mit einer dritten Farbe bezogen werden. Damit lassen sich Knotenmuster aller Art weben. Hier nun zum Vergleich der Strukturen der gleiche Musterabschnitt einmal als Zwei Loch Muster und einmal dreifarbig ausgeführt:

Struktur: keine Bezeichnung, Sulawesi?
Material: Leinen/Baumwolle
Brettchen: 44 Stk.

Struktur: keine Bezeichnung, Sulawesi?
Material: Baumwolle
Brettchen: 44 Stk.


# Bänder aus Anatolien 19./20. Jhdt.?


Ein von Webanfängern häufig verwendetes Webmotiv ist das des laufenden Hundes in der gegenläufigen Form auch als Widderhornmuster bezeichnet. Eigentlich als Teppichmuster entstanden, gehört es zwischenzeitig wahrscheinlich zum am Häufigsten gewebten Muster der Brettchenweberei. In Anatolien wurden immer mit Brettchen gewebte Bänder als Teil der Kleidung (z.B. als Gürtel) verwendet. Die Enden waren dazu meist aufwändig gestaltet. Hier nun eine kleine Auswahl eigener Arbeiten:





Struktur: komplexe Schnurbindung
Material: Baumwolle
Brettchen: 24 – 28 Stk.

 


# Persische Bänder 19./20. Jhdt. ?


Otfried Staudigel hat mit seinen Büchern viele der überlieferten Muster aus dem vorderen Orient vor dem Vergessen bewahrt. Aus Persien stammen die wunderschönen Fatschenbänder, meist aus Seide und mit Pflanzen- und Tiermotiven sowie Segenssprüchen versehen. Diese wurden als doppelseitige Gewebe ausgeführt und oft auch mit breiten Rändern in Schnurbindung versehen. Die Bänder der nomadisch lebenden Bakhtiari werden als Kopfschmuck für Tiere, als Lastengurte und als Zeltbänder verwendet. Sie sind meist aus Wolle und in der Diagonalstrukturtechnik (Köper) gewebt.

Zeltband der Lori Bakhtiari

Struktur: Diagonalstrukturmuster (Köper), nach einer Vorlage von Guido Gelhaar www.steinmaus.de, Danke!
Material: Baumwolle
Brettchen: 33 Stk.

typische Muster der Fatschenbänder, Pfau und stilisierte Tulpe

Struktur: doppelseitiges Weben
Material: Seide
Brettchen: 28 Stk

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